Neun Tage. Drei Fußballerlebnisse.

Circa 2.012 Kilometer über Land*.
Torverhältnis am Ende 4:4.
Ein paar Notizen.
Ein paar Bilder.

*Ich hätte so so gern die Schienenkilometer ermittelt, aber das scheint mir nach einer kurzen Recherche für mich „mal eben so“ schier unmöglich. Ich weiß nun zumindest um die Existenz des Kursbuches der DB und die Entfernungsermittlung EVG. Für ersteres fehlen mir vertiefte Kenntnisse und für letzteres ein Windows-Rechner. Vielleicht hilft mir ja noch jemand. ;)

Alles fing hier übrigens an mit ein paar Gedankenstrichen für Insta und dann ist das irgendwie eskaliert. Auch mal wieder schön :)

Wenn ich „mein Leben“ zurück habe, dann mache ich wieder mehr mit Fußball, so die Ansage vor langer Zeit an mich selbst. Das Studierendenleben liegt nun schon ein paar Monate hinter mir, aber die Welt rückt fleißig weiter gen Abgrund, was zur Folge hat, dass ich mich finanziell trotz ein bisschen mehr Gehalt gefühlt noch immer im Studierendenleben befinde.
Aber nützt ja nix, Ansage ist Ansage.
🎶…unsere ganze Freizeit / unser ganzes Geld…🎶
Den Rest des Monats dann also Nudeln.

Tag 1 | 14.10.2022 | Heimspiel Liga 2 Haesvau

🎶 Ich trage Deine Farben
Bereit alles zu ertragen für ein paar glückliche Tage
Egal was alle sagen 🎶

Kraftklub: Fan von Dir

Über Spinnen. Über Bullen. Über Schweine.
Ist das die Rache für Jahrelange schlechte Nutztierhaltung? Nein, ist nicht ernst gemeint.
Es gibt einfach keine Entschuldigung dafür, im Schutzbereich des Stadions dermaßen zu eskalieren und rumzuwüten. End of Story.

Der Duft von Pyrotechnik… 🥰

Pyrotechnik ist kein Verbrechen!

Ach krass! Unser Team kann auch Emotionen auf Platz?!
ALTERFALTER!
Wer ist dieses Team und wo war es die bisherige Saison?!?! 

Derbysieger*innen!!!
*kreischt*
Derbysieger*innenwein with a view.

Es bleibt trotz all unerwarteter Freude ein bitterer Geschmack – nicht vom Wein! – siehe Millernton & FCSR. Ein Verein, der sich – nach einem guten schnellen Tweet noch am Freitagabend – im Nachgang maximal unsouverän und zutiefst enttäuschend zeigt. Ein Verein, der nach Außen sichtbar die Polizeigewalt nicht konkret benennt und komplett unsolidarisch mit den eigenen betroffenen Leuten ist, die in ihrer Schutzzone von Gewalttätern in Uniform(des öffentlichen Dienstes) angegriffen wurden.
Das sitzt tief.

Ich kann mich darüber leider nur wenig mit der schönen Zusammenfassung (ARD Mediathek) unseres Spiels hinwegtrösten. Aber sie wird jetzt (bis 30.06.23) einfach immer raus geholt, wenn ich gute Laune brauche.

Tag 5-7 | 19.10.2022 | Pokalspiel Runde 2 Christian Streich

🎶 Ich fahre hunderttausend Kilometer weit
Hunderttausend Kilometer weit, um dich zu seh’n 🎶

Kraftklub: Fan von Dir

Die Tour startet damit, dass ich ohne Ticket nach Freiburg los fahre, welches noch gemütlich bei mir zu Hause rumlag. Ich bin so ein krasser Auswärtsprofi. Leben am Limit! Ich kenne aber zum Glück Teile der besten Menschen der Welt, die meine Dusseligkeit auffangen und mir das Ticket nach Freiburg organisieren. Funfact: Meinem Retter in der Not bin ich dabei letztlich nie persönlich begegnet, was ein bisschen sehr schade war.
Dafür hatten diese drei Tage viele andere und ganz phantastische Menschenbegegnungen in petto =)

Ich glaube, ich möchte auswärts erst mal nur noch nach Freiburg fahren. Diese Stadt ist einfach nur schön! Und ich habe ja ein großes Herz für ÖPNV. Freiburg liefert mal richtig krass nostalgisch ab <3

Straßenbahnliebe!

Einzige Enttäuschung: Freiburg kennt keine Kioskkultur. Und wir müssen noch mal darüber Reden, was es damit auf sich hat, in dieser Stadt überall Cafés anzusiedeln, die dann aber zu 90% eigentlich eine Bar sind. Was soll das?! :D

Rumchillen am Augustinerplatz

Es war allerdings nicht mein erster Besuch in Freiburg. Ich war 2007/08 schon mal hier und habe in einem ziemlich gemütlichen Hostel genächtigt. Das ist es diesmal wieder geworden. Ich habe dabei festgestellt: Der einzige sinnvolle Nutzen meines Führerscheins in diesem Leben ist, ihn als Pfand an einer Rezeption abgeben zu können.

Ach ja, das Fußballerlebnis.
Am Abend vorher habe ich mir noch in einer Bar(!) unter anderem angesehen, wie der Haesvau mit 4:0 von den Energybullen ausm Pokal gekickt wird. Dabei gab es einen netten Austausch mit dem mutmaßlichen Barchef, der angeblich am Freitag auch beim Derby dabei war. (Angeblich, weil er null auf dem Zettel hatte, das ja grad DFB Pokal ist und morgen sogar in seiner Stadt, was mich etwas an seinem grundsätzlichen Interesse an diesem Erlebnis zweifeln ließ): „Rechnest dir was aus für das Spiel morgen?“ – „LOL NEEE!!! … Aber beim Derby hab ich mir ja auch nichts ausgerechnet. Hmmm…“
Bei meinem letzten Besuch war es noch das Dreisamstadion (an das ich mich aber auch null erinnern kann). Nun so ein Europapark. Also eigentlich ein riesengroßer Parkplatz für unzählige unnütze Autos und drölfzighundert Meter Latschweg aus der Straßenbahn bis zum Stadion. Keinen Plan, warum man so einen Scheiß heutzutage noch in die Landschaft setzen muss.

Circa Fünfeinhalb Minuten Glaube an die maximale Euphorieeskalation.

Der Restliche Abend nach dem Abpfiff ist ähnlich wie meine Stimme einfach mal in Freiburg verblieben… <3
Nicht in Freiburg verblieben sind ein vergessenes Banner, ein vermisster Pullover und eine meiner Jacken. Allerherzlichste Grüße an involvierte Menschen :)

Am Abreisetag habe ich dann doch noch ein ECHTES Café gefunden!

Frühstück & Abschiedskaffee mit Ambiente.

Die Rückfahrt begann mit einer schönen zufälligen Menschenbegegnung, die zu meiner Reisebegleitung nach Hause wurde. Lange nicht so was schön chilliges erlebt, weil sich der perfekte Mix ergab aus Quatschen, mit sich sein, Essen, sich eine Spezi teilen. Bin offensichtlich noch immer leicht beseelt davon? Viel Liebe jedenfalls für Bahnreisen mit einem guten Sitzplatz und der richtigen Dosis an Menschen.
Dabei ist dann die erstattungsfähige Verspätung auch mal null ins Gewicht gefallen. Es war nur zu Beginn der Verspätung etwas aufregend a la „Ja, der Puffer zu den 60 Minuten ist halt echt knapp. Wäre superärgerlich kurz vorm Ziel auf 59 zu rutschen.“ We made it up to 70-80 Minuten.

Tag 9 | 22.10.2022 | Auswärtsspiel Liga 2 Deutscher Sportclub von 1905

🎶 Bei Jeder Gelegenheit, so oft es geht
Tu ich mir weh, tu mir weh, tu mir weh 🎶

Kraftklub: Fan von Dir

Wir reisen dekadent mit Fanladen-Tours. Jede Wagonebene zwei Fanclubs.

Bei Ankunft am Hbf. Bielefeld nur Behelmte aufm Bahnsteig. Nadelöhre aus dem Bhf raus bis hin zum Stadion. Irgendwas mit Viehhaltung? Erniedrigende Zustände. Wie sehr unzumutbar sie für menstruierende Menschen sind, führe ich hier jetzt nicht weiter aus. Es ist leider einfach nicht zu empfehlen? Aber was fürn Scheiß, ich kann doch jetzt nicht anfangen Leuten zu erzählen, dass sie einfach nicht mehr menstruieren sollen, um ein weniger unerträgliches Auswärtserlebnis zu haben?
Drohne überm Kopf. WHAT THE FUCK?!?!

Es ist echt nicht zu begreifen. Man wird ab Ankunft im Bahnhof behandelt wie jemand, den man eigentlich gar nicht da haben möchte. Und da stellt sich schon die Frage, warum man überhaupt eingeladen wird? Mancherorts ist die Antwort gewiss, damit überhaupt irgendjemand bei uns ins Stadion kommt. Aber das ist halt auch nur ganz knapp über der Menschenverachtung. An den restlichen Orten kann ichs mir wirklich nur mit Freude an der Ausübung von Niederträchtigkeit gegenüber Dritten erklären.

Support des Gegners für sein Team auf dem Niveau meiner Eltern, während meiner Schullaufbahn. Hat mir jetzt nicht so gut getan. Und mit meinen Eltern rede ich heute nicht mehr.

„Wer nicht kämpf, hat hier nichts zu suchen!“

Bitte bitte sagt mir, dass die Bielefelder Fanbetreuung „Anhängerladen“ heißt, BIIIIIITTEEEEE! :D

„Anhängerclub Arminia Bielefeld“

Schöne Dinge:
Wenn der eigene Block laut genug singt, muss man das Lied des Heimteams nicht hören.
Der geschlossene kurze Gang in die eigene Blockecke und ein Gefühl von „Wir schaffen das heute hier, gemeinsam!“ (Spoiler: Leider nein.)
Danke dir sehr für deinen spektakulären Einsatz, das war phantastisch. Ich hoffe, dir hat anschließend jemand ein schönes Getränk ausgegeben!

FCSP!

Hässliche Dinge:
Ich habe absolut gar keine Begeisterung mehr für „Support“, bei dem man sich selbst mit einem NS-Opfergruppen-Wording beschreibt und im selben Text gleich noch prekäre menschenunwürdige Lebenslagen frenetisch abfeiert. Der Zenit dafür ist gefühlt seit neunzehnkommazehn Jahren überschritten. Selbstironie my ass! Und ja, das geht auch an mein unreflektiertes Vergangenheits-ich, das noch keine dreizehnkommazwölf Jahre aktiv dabei ist.

Abpfiff. Jaähneedankefürnichts?! ಠ_ಠ

Ich möchte jemanden mit Twitter-Schloss-Account zitieren: „Warum genau macht man Fantrennung um dann am Bahnhof alle durcheinander laufen zu lassen?“. Es gibt den ganzen unsäglichen Scheiß von der Ankunft nur noch noch mehr Geschmack von Menschenverachtung.
Und leider habe ich allein absolut keine Kraft, mich gegen diese geballte Front zur Wehr zu setzen. Und solange ich am Bahnhof erst noch mit irgendwelchen dummen Dudes diskutieren muss, dass sie ihre komplett überflüssigen Provokationen einfach mal sein lassen sollen, weil sie schlicht nicht zielführend sind, habe ich nahezu keine Hoffnung hier irgendwas erreichen zu können. (Nächstes mal drücke ich dem dummen Dude vermutlich einfach seinen Scheißdöner ins Gesicht.)

Mein Orientierungssinn hat auch keinen Bock mehr mir durch diese Reise zu helfen und so stand noch ein kurzer Sprint übers komplette Gleis auf dem Programm, um nicht im falschen Zugteil zu landen. (Tat eigentlich ganz gut. Sollte öfter mal Sport machen, wenn ich schlechte Laune hab)
Endlich Heimfahrt. 
Meine Bluetoothbox habe ich offensichtlich als Notwehrutensil mit eingepackt. Ich schwöre, die andere schreckliche Musik lief zuerst im Wagon!!!

Lege mich fest: Paulaner Spezi bessere Spezi dieser Welt.

At home again um 3:10. Und der Plan, von Derbysiegerlebnissen zu träumen, um später glücklicher aufzuwachen, als man nun möglicherweise einschlaft.

🎶 Doch ich bin leider für immer
Für immer nur Fan von dir 🎶

Kraftklub: Fan von Dir

Danke für die Aufmerksamkeit.
Sankt Pauli ist die einzige Möglichkeit!

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2 Kommentare zu „Neun Tage. Drei Fußballerlebnisse.

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