Kein Konfetti für Niemand

Ein Bericht über meinen ersten Stadionbesuch, seit dem 1. März gegen Osnabrück.

Ein kleiner Funfact vorab : Als ich hier zuletzt mal wieder einen Beitrag hinterließ, warf ich unter anderem einen kritischen Blick auf meine Blogbeschreibung (Bloguntertitel?) – und beschloss sie zu ändern. Diese Beschreibung hat vermutlich eh niemals jemand beachtet. Ich verstand sie auch als eine Art Arbeitsauftrag an mich selbst. Zuvor lautete sie in etwa „Im Leben, im Stadion, beim Sport… und wo es sonst noch schön ist“. Ich hatte in den letzten Jahren einige Varianten dieser Formulierung dort stehen, je nach dem, was sich gerade zutreffend für mich anfühlte. Ich bin schon seit gut einem Jahr nicht mehr so häufig Auswärts gefahren und auch über das Erlebnis Heimspiel vermochte ich quasi nie zu schreiben. Und dann war da noch die Überlegung, dass ich das Millerntor in absehbarer Zeit sicherlich eh nicht von innen zu sehen bekommen würde. Ähm, tja…

Stadionbesuch als Experiment

So begab es sich, dass die Institutionen der allgemeinen Gesundheit nach lautstarkem Quengeln von der DFL und diverser beteiligten & interessierten alten weißen Männer des Prof…Kapitalfußballs offenbar keine Lust mehr hatten sich den Scheiß anzuhören, und irgendwie den Weg frei gemacht haben, wieder Menschen in Stadien zuzulassen und den Kapitalfluss der alten weißen Männer zu sichern.

Der FCSP hat daraufhin ausgeklügelt, dass rund 2200 Menschen ins Stadion kommen dürfen. Beschlossen wurde dies Anfang der Woche und zusammen mit einem Losungs-System der Kartenvergabe verkündet. Aufgrund der kürze der Zeit ist die Auswahl der Menschen, die sich überhaupt in den Lostopf werfen konnten relativ knapp ausgefallen. Bernd von Geldern kommentierte dies in einem vereinsinternen Interview u.a. wie folgt: „Die Treuesten der Treuen und das sind unsere Dauerkarten-Inhaber*innen, sie werden bevorzugt behandelt.“
Uff. Ein Schlag in Gesicht und Magengrube, ein Stich ins Herz all jener Fans, die sich seit vielen Jahren auf einer langen Warteliste tummeln, seit Jahren darauf warten sich überhaupt auf diese Warteliste setzen zu können, seit Jahren bemüht sind Saisonpakete zu ergattern, seit Jahren stets Auswärts dabei sind, seit Jahren (analog) ihre Karten für jedes Spiel einzeln organisieren, im Sommer nicht mal eben so das Geld für eine Dauer-/Saisonkarte haben, u.v.m.
Diese Aussage ist der unverschämte Move eines klassischen alten weißen Mannes, der seine eigenen Privilegien und die seinesgleichen überhaupt nicht klar hat. All jene inklusive mir, die sich auf eine Karte für dieses Spiel bewerben durften, sind schlicht höchst privilegierte Menschen. Über die Maßen „treu“ (ich finde diese Kategorie generell eher schwierig) sind davon sicherlich auch einige, ich bin es bestimmt nicht. Diese unfassbar beknackte Aussage von BvG, die Privilegien nicht klar haben und stattdessen irgendwas von Treue zu faseln, zeigt doch auch, wie wenig qualitativen Kontakt er zur Fanszene hat (oder nicht haben möchte?) und wie sehr er offenbar auch am Kapitalfußball hängt. Den hab ich fürs erste gefressen – so lang er sich dafür nicht mindestens aufrichtig und persönlich bei Flossi entschuldigt und ihr ne Karte fürs Derby schenkt. (Oder so ähnlich.)

Ich habe meinen Hut in den Lostopf geworfen, weil ich a) so gern bei Experimenten oder Umfragen mitmache, die einen spannenden/nützlichen Erkenntnisgewinn anmuten lassen. Und b), weil ich 15 Oi für einen Sitzplatz total angemessen finde. (Ich wünschte ja, das wäre schon eine Umsetzung der angestrebten Reformen…).
Da Lotterie eigentlich nie zu meinen Gunsten ausfällt war ich komplett frei von irgendeiner Hoffnung ins Stadion zu kommen. Ich glaube, ich war bei der Bewerbung nicht mal sicher, ob ich es wirklich wollte. Ich habe Scherze darüber gemacht, dass ich ein motziges Banner gegen BvG mitnehme, wenn ich rein darf. Aber das Statement der aktiven Fanszene hatte ich natürlich im Hinterkopf und ich gehe damit komplett konform. (Spoiler: Hatte kein Banner dabei. Und hätte eh erst noch einen Crashkurs dafür belegen müssen.)
Und dann kam diese Zusage. Hupsi. Ich hatte doch eigentlich schon eine Verabredung mit zwei Katzenbabys.

Das Experiment Stadionbesuch war dann letztlich DER Antreiber für mich doch ins Stadion zu gehen, und das „Zusatzexperiment“ Unisextoiletten auf der GG war dann für meine Entscheidung für den Block G1 verantwortlich.
Mein Interesse an dem Experiment rührt von der Idee, damit vielleicht den Weg für das Team #alleoderkeiner zu ebnen, und auszuprobieren und zu üben wie das am besten gelingen könnte. Ja, mir ist klar, dass das aktuell große Träume sind, aber in Städten mit Häfen… ihr kennt das.
Dafür müsste der Verein aber vielleicht auch Interesse an Erfahrungsberichten der Besucher:innen haben. Mal schauen ob dahingehend irgendwas kommt.

Aber fragt nicht nach Sonnenschein. Diese Entscheidung fürs Stadion hat mir in den letzten Tagen einige Momente nah am Wasser verschafft. Das ungute Gefühl meine Bezugsmenschen – die gern gewollt hätten, aber nicht durften – zurück zu lassen… Was für eine elendig ungerechte Scheiße.

Der unwirkliche Spieltag

Disclaimer: Der nun folgende Bericht ist im Grunde chronologisch aufgebaut, nach einem möglich typischen dem Spieltagsablauf. Ich habe mir ein paar Fragen mitgenommen a la „Wie wird xy umgesetzt? Was ist anders oder gleich wie gewöhnlich?“. Manche Bemerkungen zu diesen Fragen sind live entstanden, manche habe ich nachträglich ergänzt und weichen ggf. von der Chronologie ab, daher kann es auch unterschiedliche Zeitformen geben.
Here we go…

Anfahrt & Getümmel rund ums Stadion

Die U3 ab Kelle war eher dünn befüllt, angemessen für einen verkaufsoffenen Sonntag. Vereinzelt habe ich potentielle Stadionbesucher:innen identifiziert. Das Publikum an der U St. Pauli war kaum bemerkbar, noch nie so entspannt aus der Haltestelle raus gekommen. Mit mir laufen keine 10 Menschen über das HGF. Ankunft am Stadion fünf vor 12. Die Anzahl der Ordner:innen und Gäste da gefüllt 1:1, das veränderte sich dann natürlich noch.

Ich lief ein bisschen an der GG runter bis Höhe Fanladen, wie sonst üblich. Leider keinen N. gesehen, der wieder viel zu lang auf irgendwen wartet, der:die noch ne Karte von ihm bekommen soll… </3.
Ein Typ Marke Massivholz-Einbauschrank fällt mir auf. Eindeutig als nicht FCSP, aber auch nicht als Heidenheimer identifiziert.

Fliegende Händler gab es quasi keine. Ein Bierstand direkt an der U St. Pauli. Am Stadion sind zwei Menschen entlang mit selbst genähten braun-weiß-roten MNS. Ich habe sie als Teil der Fanszene eingeordnet.

Der Einlass & Ordner:innen

Die Ordner:innen machten insgesamt (von Einlass bis Block) einen soliden Eindruck, freundlich aber bestimmt. Ich habe keinerlei ausschweifende Diskussionen um den Einhalt von Regeln oä mitbekommen. „Meiner“ in G1 ist sichtlich freundlich gestimmt und entspannt. Ab und an kam ein „Supervisor“ mit Hinweisen herbei. Es gab Hinweise bei Ansammlungen von Grüppchen und an stehende Menschen, dass sie bitte sitzen sollen.

Läuft der Einlass ab, wie in der Mail angekündigt?
Für mich lautete die Info: Blöcke G1 und G2 – Eingang Tor 6 Gegengerade (Heiligengeistfeld). Der Einlass sollte ab 12 Uhr beginnen. Mein Tor ist fünf nach 12 noch geschlossen, der Eingang zum Stehbereich der GG hingegen längst offen und lässt Leute rein. Tor 6 wird zu 12:22 geöffnet. Meine Identität wird überprüft. Es gab mit der Öffnung eine Ansage einer Ordnerin diesen vorzuzeigen. Mein kleiner Rucksack wird nicht kontrolliert, Abgetastet wurde aus irgendwie nachvollziehbaren Gründen auch nicht. War trotzdem merkwürdig. Nächstes Mal kann ich mir also ne Flasche Rotwein mitnehmen. Super!

Bewegungsfreiheit

Es gab keine Möglichkeit sich im Stadionumlauf zu bewegen. Absperrungen mit Faltterband, die nur den Weg vom Eingang zum Zielblock ermöglichen.

Es gab keine bauliche Trennung der Blöcke auf der Tribüne, Trennungen auch hier durch Flatterband. Ich habe in meinem Radius kaum Menschen abseits der vorgesehenen Wege gesehen.

Catering

Es war alles zu. Es gab die gewöhnlichen fliegenden Händler mit Snacks. Für die Getränke haben sie auch welche geschaffen. Die Auswahl die ich gesehen habe war Cola, Apfelschorle und Wasser zu je 0,5l. Ein kleines Minus hier: ausgeschenkt in Einwegbechern. Das ist etwas doof wegen Müllvermeidung, Nachhaltigkeit und so… Idee fürs nächste Heimspiel: Bringt euch ggf. einen eigenen Mehrwegbecher in 0,5er Größe mit. Ich war zu Hause noch so geistesgegenwärtig und habe einen kleinen Becher eingepackt. Team Leitungswasser!

Die Händler sollten zum Platz kommen. Das klappte in meinem Radius insgesamt gut, in der Pause gab es teils Anstehen von ungeduldigen Menschen. Die standen dann in den angedachten Laufwegen. Da wird’s halt blöd, wenn dann jemand vorbei zur Toilette möchte…

Spieltagsprogramm & Stadionsprecherinnen

Die „Stadionshow“ fand weitgehend wie gewohnt statt. An einigen Stellen war das super strange (Werbung für Einlaufkinder?!). An anderen Stellen angenehm, bis hin zu egal. Generell sind wir da ja eh reduziert im Vergleich zu anderen Stadien in Liga 1 & 2 – woran sich auch bitte bei uns nie etwas verändern möge. Der Fokus bei den Ansagen lag überwiegend beim Hygienekonzept.

Tanja meldete sich zu 13:05 das erste Mal aus der Kabine und leitete mit den Hinweisen zu den Hygieneregeln ein, die neben Tragen des MNS, Händewaschen und Abstand halten auch auf „nicht umarmen und kein Händeschütteln“ hinwies. Was mich hier ein bisschen störte war ihre gefühlte Entschuldigung, dass die das machen müsse. Wenn ich es nicht eh schon täte, würde es mir wohl schwer fallen eine solche Ansage mit diesem Unterton wirklich ernst zu nehmen. Ich denke, es ist angemessen diese Hinweise einfach wie selbstverständlich durch zu geben. Im späteren Verlauf gelang es dann auch mehr und mehr sie so zu vermitteln.

Als zweite Sprecherin meldete sich dann Daggi. Sie befand sich auf der Haupt ganz oben, Ecke zur Kita, wenn ich das richtig verstanden und gesehen habe. Sie bat auch noch mal darum sich an die Hygieneregeln zu halten und erzählte in dem Zusammenhang was von „Wir sind anders“. Ich habe nicht verstanden, was genau sie da vermitteln wollte. Vielleicht eine Form von „Wir sind die Guten und absolute Premiumvorbilder für den Rest der Bundesligalandschaft“?

Die Ansage der Spieler lief wie immer ab. Die eigenen wurden auch durch die üblichen Zurufe der meisten Besucher:innen begleitet. Ich besann mich an dieser Stelle auf das Statement der aktiven Fanszene. Mitmachen fühlte sich für mich nicht richtig an. Wenn auch gleich es ein angenehmes Erlebnis war und ganz viele Sehnsüchte geweckt hat. In dem Moment war ich vielleicht auch noch zu sehr in meinem Modus der Beobachterin.

Das Herz von St. Pauli wurde in der Logik dann natürlich auch gespielt und mitgesungen. Das war mir zu doll, ich nutzte den Moment für einen Toilettengang. Währenddessen gab es kollektives Stehen, ich nehme an im ganzen Stadion.

Auf den LED-Banden gabs das Übliche von Congstar mit „Mach mal Platz für Vielfalt“. Astra mit irgendwelchem Bier-Quatsch über den ich mich unter diesen Umständen (kein Alkohol) ein bisschen amüsierte.
Jack Daniel’s war komisch mit „Endlich geht’s wieder los!“. Letzteres mutete doch sehr die offensichtlich unmögliche Normalität an, die da wohl gern erzeugt werden wollte.

Was ich vermisst habe war die aktuelle Spielzeit und der Spielstand auf den LED gegenüber vor der Haupt. Ich meine mich an solche Anzeigen zu erinnern, als wir noch den gewöhnlichen Ablauf hatten. Was ich dafür sehen konnte war „Millerntor“ und darunter der Hashtag #wirhabenplatz. Ich ordne das mal als Kommentar zur aktuellen unsäglichen Flüchtlingspolitik der EU und Deutschlands ein – und freue mich sehr darüber.

Kurze Zeit nach dem ersten Tor gab es von Tanja Lob für Diszipliniertheit und eine Wiederholung der Ansagen zum Hygienekonzept. Diese Ansagen gab es dann im Spielverlauf immer mal wieder.

Die Ansage um ca 14:50 enthielt dann kein Lob mehr, sondern nur die Hinweise, mit einer Betonung darauf, den Ordner:innen nicht die Arbeit zu erschweren. Man könnte hier jetzt interpretieren, dass die Regeln an einigen Orten im Stadion nicht (mehr) so diszipliniert eingehalten wurden. Das kann ich für meinen Radius nicht behaupten. Erzählt mir anderes ggf. gern in den Kommentaren oder via Twitter.

Mit 2226 Zuschauer:innen wurde das Millerntor als „ausverkauft“ deklariert. Aber das sah für mich nicht so aus, im Stehbereich der Süd habe ich ein paar „echte“ Lücken entdeckt. Aber vielleicht haben diese Leute dem Verein auch einfach nur 15 Oi spenden wollen.

Spieler & Co

Bei Einlauf der Spieler zum Warmmachen lief übrigens grad Sunday Bloody Sunday von U2. Ich fand die Wahl dieses Titels eh schon etwas bemerkenswert und dann auch noch zu dem Moment. Sehr speziell.
Die Musikauswahl war generell mit, wie ich finde, interessanten Stücken gespickt. Ich werde die später noch nachreichen. (Update: Hier.)

Zu besagtem Einlauf gab es stehenden Applaus von den Rängen gen Rasen und von den Spielern kam der auch zurück. Sie sind eine Runde entlang der Tribünen gelaufen.

Nach Abpfiff gab es den üblichen Kreis auf dem Rasen. Anschließend wurde wieder eine Runde gedreht, begleitet von überwiegend stehendem Applaus. Die GG hat die Spieler zu einer Welle animiert und vor der Süd gab es dann auch eine. Von meiner Seite gab es an dieser Stelle wieder Zurückhaltung, bei gleichzeitiger Freude das zu erleben.

Besucher:innen & Support

Nach Herz von St. Pauli gab es erste Versuche „Sankt Pauli“-Rufe tribünenübergreifend zu etablieren. Das gelang semi-gut. Gab es das gesamte Spiel über immer wieder und hielt eigentlich nie länger als 10-20 Sek. an. Das ganze Spiel über gab es Klatschen, Rufe und teilweise Aufstehen bei interessanten Aktionen.

Mit Hells Bells gab es wieder ein kollektives Aufstehen, euphorisches Klatschen und Rufen zum Einlaufen. Erneute Zurückhaltung meinerseits.

Aux Armes wurde auch irgendwie über die Tribünen gebracht. Erneute Zurückhaltung meinerseits.

Es gab vereinzelte laute Zwischenrufe zum Spielgeschehen. Da war ich auch ab und an dabei. Saß ja aber zum Glück weit weg genug vom Atmo-Mikro des AFM-Radios =D

Ich habe noch vor Anpfiff zwei oder drei Fahnen im Stadion gezählt und keine mitgebrachten Banner auf Süd, Haupt, Nord gesehen. Später entdeckte ich dann doch noch eine kleine Fahne am Zaun der Nord.

Unsere Tore wurden wie üblich aus der Kabine mit Song 2 kommentiert. Von den Rängen mit Aufspringen & Gejubel. Alles wie immer.

Was mich massiv störte waren „Pfui“-Rufe gegen Heidenheimspieler, die sich zum Warmmachen an der Ecke Süd-GG gesammelt haben. Während des Spiels gab es vereinzelt Gesänge & Rufe gegen die Gäste – die ja bekanntlich ohne Fans da sind. Dieses Verhalten finde ich höchst fragwürdig unter diesen Umständen. Der gewöhnliche Schlagabtausch (bitte nicht wörtlich nehmen) mit den Gästefans ist schon mal gar nicht möglich – da ist es einfach komplett unangemessen, sich derart gegenüber den anwesenden Gästen zu verhalten. Sich ihnen gegenüber einfach zurück zu halten und sie ihre „Arbeit“ machen lassen fände ich da einen sehr viel angemesseneren Umgang. Ausnahmen natürlich, wenn die sich irgendwie despektierlich aufführen. Aber sowas hab ich nicht mitbekommen.

Halbzeitpause

Die Beschallung der Pause verlief wie üblich. Ein paar Sachen blieben weg und es war dann einfach ruhig. Zum einen fehlten die Geburtstagsgrüße, was ich als sehr angenehm empfand. Das wurde auch nicht weiter thematisiert. Hinweise auf andere Spiele von den Frauen gab es keine – und das wurde kommentiert – weil deren Spiele noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Da das Verlassen des Sitzplatzes eigentlich nur wegen Pipi erforderlich & gestattet war, gab es auch nicht sonderlich viel Bewegung auf den Rängen. Es gab noch einmal Lob für die Diszipliniertheit hinsichtlich der Hygieneregeln. Das Ende der Pause wurde mit Antifa Hooligans eingeleitet und die Spieler wieder mit stehenden „St. Pauli“-Rufen empfangen. Meine Zurückhaltung fing hier dann langsam an abzuebben und ich fand mich im Verlauf der zweiten Halbzeit immer wieder leise summend in Anflügen von Anfeuerungen wieder. Aus dem Stuhl gerissen hat es mich aber trotz allem nicht.

Unisextoiletten

Auf der GG gab es wie bereits erwähnt ein „Zusatzexperiment“. Das wurde in den Mails nicht als solches angekündigt, sondern schlicht darauf hingewiesen, mit der Bemerkung, wenn man das nicht haben wolle soll man sich besser einen anderen Stadionbereich aussuchen. An dieser Stelle würde der mfc-Blog vielleicht einen Exkurs zum Thema Privilegiertheit einbauen. Ich bekomm das grad nicht geleistet. Der Grund für die Auflösung der Geschlechter-getrennten Toiletten war letztlich wohl, um das Durchmischen der Menschen aus den verschiedenen Blöcken zu vermeiden.

Angenehm fand ich, dass im Prinzip kein Anstehen stattfand, was schlicht den popeligen 2226 Zuschauer:innen geschuldet war. Insgesamt habe ich das als völlig unaufgeregt und kein Gefühl des Unwohlseins wahrgenommen. Auch keine (dusseligen) Kommentare dazu in meinem näheren Umfeld.

Spannend ist natürlich noch, ob das unter gewöhnlichen Bedingungen (insbesondere bei Anwesenheit von Alkohol) genauso unaufgeregt abliefe. Ich hoffe auf eine Wiederholung und Ausweitung dieses „Experiments“ mit anschließender Etablierung.

Verlassen des Stadions

In Spielminute 86/87 gab es eine Ansage zum Verlassen des Stadions, wo darum gebeten wurde, dass nicht alle gleichzeitig raus laufen und auf Abstand geachtet werden soll. Außerdem noch mal die Bitte, auf Umarmungen und Händeschütteln zu verzichten. Nach Abpfiff folgte noch ein freudiger Dank an alle von Daggi für die Disziplin und die Stimmung, verbunden mit der Hoffnung oder dem Wunsch beim nächsten Heimspiel mindestens doppelt so viele Zuschauer:innen begrüßen zu dürfen.

Wie war das Spiel?

Gerüchten zufolge haben wir gewonnen. Umsitzende würden vermutlich behaupten, dass ich eigentlich nix vom Spiel mitbekommen habe, weil mutmaßlich ich die ganze Zeit in meinem Handy versunken war. Ich verspreche, es war anders und ich habs zeitweise auch wirklich genossen! Aber alles Weitere lest ihr lieber beim Millernton im Bericht von Tim nach. Die klären da hoffentlich die Frage, ob ausschließlich Heim-Zuschauer:innen als legitimes Doping gelten.

Randnotizen

Der Fanladen war vor UND nach dem Spiel geschlossen. Vorm Spiel gabs Besuch von Fanladen-Justus im Block. Das hat mich gefreut. Genauso gefreut hat es mich, ein paar andere bekannte Nasen gesehen zu haben.

Die Herzen der Nord waren dünn befüllt und noch gut zu erkennen. Ich fand ein bisschen Trost in diesem Anblick.

Sehr angenehm: Ich hab keine Polizei gesehen, oder die in Zivil einfach nicht erkannt. Ich habe mich dahingehend jedenfalls lang nicht so „sicher“ und unbeschwert gefühlt bei einem Heimspiel. Großartig.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und für den Heimweg den Gang am Bunker vorbei zur Bahn genommen. Auch mal schön <3

Dank

Danke an alle Menschis, die diesen Prozess „Wie bekommen wir sinnvoll wieder Menschen ins Stadion“ kritisch begleiten.

Danke an alle Menschis, die den Fußball & Drumherum – solang eine Rückkehr noch nicht möglich ist – irgendwie zu den Menschen bringen. Stichwort virtueller Fanladen. Stichwort AFM-Radio.

Zuletzt Allerliebste Grüße und Dank an Flossi vom mfc, für Vorbereitung und Ideen zu diesem Beitrag. Küsschen und viel Liebe <3

Unser Tag wird kommen.

4 Kommentare zu „Kein Konfetti für Niemand

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